Nicht für,
sondern mit!

In Berlin gibt es einen Ateliernotstand

Analog zur Wohnraumkrise gibt es angesichts des aufgeheizten Immobilienmarktes und den einhergehenden explodierenden Mieten in der wachsenden Stadt auch eine Gewerberaumkrise. 

Viel zu spät erst haben die politisch Verantwortlichen  die absehbaren Entwicklungen ernst genommen und das Ruder von Privatisierung und Neoliberalismus in Richtung Erhaltung von Flächen für die Daseinsvorsorge und Rekommunalisierung herumgerissen. Und auch jetzt noch sehen heute die zuständigen Politiker offensichtlich weder die Notwendigkeit und noch die Chance beherzt gegenzusteuern, indem in bewährte und robuste Akteursnetzwerke zusammen mit der Zivilgesellschaft, der freien Szene und der gemeinwohlorientierten Wirtschaft gebaut wird. Sie könnten mit den derzeit vorhandenen öffentlichen Mitteln zeitnah, unbürokratisch, bedarfsorientiert und partizipatorisch Flächen entwickeln , neue Orte für künstlerisches Arbeiten schaffen und bestehende  sichern.

Die Künstler*innen  dieser Stadt sagen klar: NOT IN OUR NAME!

Die politisch Verantwortlichen können die Verantwortung nicht länger auf Ihre Vorgänger und die Marktsituation schieben. Angesichts der Raumknappheit einerseits und der gleichzeitigen finanziellen Ausstattung der öffentlichen Kassen andererseits ist es mehr denn je erforderlich, effektive Sofortmaßnahmen zu ergreifen, die bei den Künstler*innen ankommen, die Zivilgesellschaft ernst nehmen und ihre Potentiale nutzen. Was bestimmt nicht hilft, aber beabsichtigt ist: ein Aufblähen von bürokratischen Apparaten und Prozessen. Künstler*innen brauchen jetzt Raum – und zwar MIT und von ihnen selbst entwickelt, NICHT von oben herab ohne Sachkenntnis FÜR sie; und zwar langfristig gesichert, jenseits von politischen Zyklen!  

 Wir nehmen Sie beim Wort, Herr Lederer!

Anders als im Koalitionsvertrag* spielt Partizipation keine Rolle mehr bei den neuen Plänen der Senatskulturverwaltung für ein neues Kulturraumbüro. 

Mit ihm sollen die Künstler*innen und ihre Verbände und Organisationen endgültig aus der Entwicklungsarbeit für ihre eigene Infrastruktur ausgeschlosssen werden. Eine aktive Einbeziehung der gemeinnützigen Immobilienwirtschaft und seriöser Privateigentümer ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Die neue Bürokratie soll allein 500.000 Euro im Jahr kosten.

Das ist staatliche Kommandowirtschaft, jenseits und abgeschnitten von existierender Strukturen, weit entfernt  von transparenter Mitbestimmung und Kontrolle von Parlament und Zivilgesellschaft – Black Box Kulturraumbüro.

 Wenn nicht jetzt, wann dann?

Neue Kapazitäten und Know How in der Immobilienentwicklung sind willkommen, aber nicht durch die Zerschlagung von bewährten Strukturen der bedarfsgerechten Entwicklung und Mitbestimmung. Wenn nicht jetzt schnell Gutes mit Besserem gestärkt und ergänzt wird,  wird sich Berlin von seinen Künstler*innen verabschieden müssen.

Schnell müssen die wichtigen Aufgaben (z.B. die Bedarfsermittlung, Projektentwicklung, Anmietung, Vergabe) auf starke Schultern kompetenter Akteure aus der Zivilgesellschaft verlagert werden: in kooperativem Austausch, mit transparenten und klaren Zuständigkeiten. Initiativen von Künstler*innen und Künstlergruppen müssen gestärkt  und aufgenommen werden.  Ziel: bezahlbare, langfristig sichere und kooperativ entwickelte Ateliers und Orte für künstlerisches Arbeiten zu schaffen

Vom Neoliberalismus zum Neoetatismus? Not in our name, Senator Lederer!​

* Koalitionsvertrag von 2016: „Für eine integrierte und partizipative Kulturpolitik“, Überschrift S.120

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